Slow Living mit Kindern: Familie bewusst entschleunigen

Slow Living mit Kindern: Wie Familie wirklich entschleunigt

Sophia hat uns letzten Herbst angeschaut — wir standen im Flur, Jacken in der Hand, Mylo bellte weil er dachte wir gehen raus — und hat einfach "nein" gesagt. Nicht bockig. Einfach so. Wir haben uns angesehen und keiner hatte eine gute Antwort darauf.

Slow Living mit Kindern ist kein Konzept das man einführt. Es ist eher ein Abgewöhnen. Von dem Reflex, jede Stunde zu füllen. Von dem Gedanken, dass ein Kind das nichts tut, ein Kind ist das sich langweilt — und Langeweile ein Problem ist.

Wenn Familien entschleunigen wollen, hilft vor allem eines: weniger planen, nicht mehr. Weniger Kurse, weniger Aktivitäten, weniger Termine die man "wahrnehmen" muss. Der Raum der dabei entsteht, füllt sich von selbst — meistens mit Dingen die man nicht vorher bestellt hat.

Was Slow Living mit Kindern wirklich bedeutet

Es bedeutet nicht, dass alle immer entspannt sind. Sophia ist drei. Drei ist laut, drei ist fordernd, drei heißt manchmal drei Fragen in einer Minute und keine davon hat eine kurze Antwort.

Slow Living mit Kindern heißt für uns: Wir entscheiden bewusst, was wir nicht machen. Wir nehmen nicht jeden Geburtstag mit. Wir machen nicht jede Aktivität die die Krabbelgruppe anbietet. Nicht aus Faulheit — weil wir gemerkt haben, dass Sophia nach ruhigen Wochenenden anders ist. Mehr bei sich. Weniger fordernd, ironischerweise.

Das klingt nach einer einfachen Erkenntnis. Es war trotzdem schwer anzunehmen, weil überall das Gegenteil suggeriert wird. Dass Kinder Förderung brauchen, Beschäftigung, Strukturen. Stimmt ja auch. Aber die Dosis macht das Gift.

Was wir konkret anders machen

Wir sind in Wies. Das hilft natürlich — die Fichten hinter dem Haus, der Hof von Kristinas Eltern zehn Minuten entfernt, Mylo der jeden Morgen raus will ob wir wollen oder nicht. Wir haben keinen Aufwand mit der Natur, sie ist einfach da.

Trotzdem: Das war nicht automatisch langsam. Wir hatten eine Phase wo wir Sophia dreimal die Woche in die Stadt gefahren haben — Turnen, Musik, ein Kurs dessen Namen wir schon vergessen haben. Das hat sich irgendwann nicht mehr richtig angefühlt.

Montag ist bei uns oft nichts. Bewusst nichts. Sophia schleppt Steine durch den Garten, schaut Mylo beim Schlafen zu, baut Türme aus allem was sie findet. Am Anfang haben wir uns gefragt ob wir etwas verpassen. Jetzt nicht mehr.

Wir kochen viel zusammen. Nicht als "Familien-Aktivität" — einfach weil das Kochen passiert und Sophia dabei ist wenn sie will. Sie hält gerne den Kochlöffel. Das wissen wir jetzt.

Abende ohne Bildschirm sind bei uns keine Regel mit Ausnahmen, sondern eine Gewohnheit die sich eingeschliffen hat. Nicht immer. Oft.

Warum das für Eltern schwerer ist als für Kinder

Kinder können Slow Living. Die können das von Natur aus. Die können stundenlang mit einem Stein spielen wenn man sie lässt.

Wir sind das Problem. Wir fühlen uns schuldig wenn zu wenig "passiert". Wir vergleichen. Wir fragen uns ob das Kind "genug" bekommt. Das ist ehrlich gesagt die eigentliche Arbeit beim Entschleunigen als Familie — nicht das Kind ruhiger bekommen, sondern selbst aufhören zu hetzen.

Wir merken immer erst am Sonntagnachmittag wenn es zu viel war. Das ist kein guter Zeitpunkt mehr um zurückzurudern.

Was wir gelernt haben: Wenn wir als Eltern ein bisschen ruhiger sind, zieht das die ganze Stimmung zu Hause mit. Nicht immer. Aber meistens.

Häufige Fragen

Wie entschleunige ich als Familie wenn beide Elternteile berufstätig sind?
Kleine Veränderungen helfen mehr als große Umbauten. Ein Abend pro Woche ohne Programm, Sonntage ohne Termine, Mahlzeiten ohne Bildschirm — das sind Sachen die funktionieren auch wenn der Alltag dicht ist.

Ab welchem Alter verstehen Kinder Slow Living?
Kinder brauchen das Konzept nicht zu verstehen. Sie spüren es. Kleinkinder profitieren schon von ruhigeren Routinen und weniger Reizen. Erklärungen braucht es dafür keine.

Muss man aufs Land ziehen um als Familie langsamer zu leben?
Nein. Das Landleben macht es leichter — wir erleben das täglich in Wies. Aber Slow Living ist keine Frage des Ortes, sondern der Entscheidungen die man trifft. Auch in der Stadt.

— Florian & Kristina, Heart & Ground, Wies/Steiermark

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