Lagom — was uns Schweden über das genau richtige Maß im Leben lehrt

Lagom — was uns Schweden über das genau richtige Maß im Leben lehrt

Wir haben letztes Jahr ein paar Wochen in Schweden verbracht. Kein großer Urlaub, eher so ein langsames Ankommen. Eines Abends saßen wir vor einem dieser typisch roten Holzhäuser — Falunrot heißt die Farbe — und Kristina hat gesagt: »Hier fühlt sich nichts übertrieben an.«

Das trifft es eigentlich ganz gut. Die Schweden haben ein Wort dafür: Lagom. Direkt übersetzt heißt es ungefähr »genau das richtige Maß«. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Klingt simpel. Ist es auch. Und genau das ist vielleicht der Punkt.

Wir kommen aus Wies — und trotzdem

Wies ist ein kleiner Ort in der Steiermark. Wir haben Natur direkt vor der Tür, Mylo der täglich durch den Wald rennt, Sophia die auf Bäume klettert. Man würde meinen, wir haben das mit dem Entschleunigen ganz gut drauf.

Haben wir manchmal. Aber das Drumherum verändert sich leichter als das Kopftempo. Wir planen, optimieren, fragen uns ob wir genug machen. Nicht weil wir müssen — sondern weil es sich so eingeschlichen hat.

In Schweden war das anders. Nicht weil dort alles perfekt ist, das ist es nicht. Sondern weil die Menschen dort einfach aufgehört haben zu optimieren. Das Essen war gut. Nicht außergewöhnlich. Der Tag war lang. Nicht vollgepackt. Die Kaffeepause hieß Fika und war eine echte Pause, kein Meeting mit Becher in der Hand.

Was Lagom nicht bedeutet

Lagom ist kein Verzicht. Das haben wir zuerst falsch verstanden. Es geht nicht darum, weniger zu wollen oder sich zu beschränken. Es geht darum zu merken, wann genug genug ist — und dann aufzuhören zu suchen.

Das klingt banal. Ist es aber nicht, wenn man ehrlich ist. Wir fragen uns heute öfter: Brauchen wir das wirklich, oder suchen wir nur nach dem nächsten Ding? Die Frage allein verändert schon etwas.

Was wir mitgenommen haben

Zurück in Österreich haben wir nicht alles umgestellt. Das wäre ja auch irgendwie unlagomartig. Aber ein paar Dinge haben sich verändert.

Wir machen jetzt öfter wirklich Pause. Nicht »kurz durchatmen«, sondern Kaffee holen, draußen sitzen, nichts dabei. Mylo mag das. Sophia auch. Und wir eigentlich auch — sobald wir aufgehört haben uns dabei komisch zu fühlen.

Und beim Einkaufen — ob Essen oder Kleidung — fragen wir öfter: Ist das jetzt Lagom, oder ist das Mehr-als-genug? Das hilft. Nicht als Regel, sondern als Orientierung.

Vielleicht ist das das Schönste an diesem Wort: Es ist kein Konzept das man lernen muss. Es ist einfach eine Frage, die man sich stellt.

— Florian & Kristina, Heart & Ground, Wies/Steiermark

Häufige Fragen zu Lagom

Was bedeutet Lagom auf Deutsch?
Lagom kommt aus dem Schwedischen und bedeutet so viel wie »genau das richtige Maß«. Weder zu viel noch zu wenig — einfach genug. Es gibt kein direktes deutsches Wort dafür, was vielleicht selbst etwas sagt.

Ist Lagom dasselbe wie Minimalismus?
Nicht ganz. Minimalismus ist oft eine bewusste Entscheidung für weniger. Lagom fragt nicht »wie wenig kann ich haben« sondern »was ist genug«. Das ist ein anderer Ausgangspunkt — und fühlt sich entspannter an.

Wie kann ich Lagom im Alltag umsetzen?
Eigentlich ganz einfach: die nächste Pause wirklich Pause sein lassen. Beim nächsten Kauf fragen ob du das brauchst oder nur willst. Nicht als Regel — sondern als kurzer Moment des Innehaltens. Das reicht am Anfang völlig.

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